Newsletter abonnieren
Gerd Rohlings Ausstellung „SWEETART“ reflektiert einen komplexen Dialog zwischen der Poesie der Romantik und der sich beschleunigenden Globalisierung der Welt, die den Eurozentrismus ablöst. Nachdem Rohling bereits auf Harald Szeemanns Biennale in Venedig, in der Neuen Nationalgalerie Berlin, im Hamburger Bahnhof Berlin oder im Museo arte Moderna, Rio de Janeiro, ausgestellt hat, untersucht der Künstler in seinen Arbeiten für die Ausstellung in München das Phänomen der menschlichen Erinnerung. Im Zentrum steht dabei das Spannungsfeld zwischen Novalis' Maxime, die Welt nicht abzubilden, „wie sie ist, sondern wie sie sein könnte und sein sollte“, und dem kaleidoskopischen Antlitz der Wirklichkeit als wiederkehrendes Motiv. Während die Serie „Momenti Colorati“ Momente erhellender Einsichten und intensiver Erfahrungen schildert, die in der zentralen Arbeit „Painter's Party“ kulminieren, kann sie auch als Metapher für Rolings Hingabe an die revolutionäre Romantik und ihren zeitgenössischen Rahmen im 21. Jahrhundert gesehen werden. In einem Wechselspiel von Nonkonformität und "Angriff" thematisiert Rohling in der Serie „Farbenlehre“ die fortschreitende Auflösung aller Trennungen zwischen dem privatem und öffentlichen Raum. Das zeitgenössische Individuum verliert zunehmend seine persönlichen Rückzugsräume und sieht seinen eigenen Standpunkt immer mehr in der medialen Flut verschwinden. In Erweiterung unseres Weltbildes hat Gerd Rohling in New York eine fortlaufende Serie von Gemälden mit dem Titel „SWEETART“ begonnen. Der Künstler integriert die seltsame Konstellation von Punkten auf dem Bürgersteig, Reste von Kaugummi, in ein neues Bild unserer Vorstellungskraft, das unsere Erinnerung herausfordert.
Gerd Rohling